Warum ich? —

Chronische Erkrankungen Teil 1

 


Medizinische Tagung 22.-24. Juni 2018
in Bad Boll/Eckwälden

Liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Freunde!

 

»Warum ich?« ist eine Frage, die mit Sicherheit jeder kennt, wenngleich die Frage bestimmt in sehr unterschiedlichen Zusammenhängen gestellt worden ist oder wird. Wir fragen uns »warum ich?« häufig aus dem Gefühl der Benachteiligung, mal in eher banalen Lebenssituationen wie: »Warum stehe gerade ich im Supermarkt in der falschen Schlange?«, mal mit Blick auf finanzielle Zusammenhänge wie »Warum verdient der Manager einen siebenstelligen Betrag pro Jahr und ich nicht?«, die Frage kann sich aber auch auf sehr ernste, existentielle Dimensionen beziehen: »Warum versterben meine Eltern vorzeitig an Krebs und Deine nicht?«, »Warum kommt mein Kind mit einer schweren Behinderung auf die Welt und Deins nicht?«, »Warum habe gerade ich diese chronische Erkrankung und andere nicht?«. Wie ist es überhaupt möglich, sich selber eine Frage zu stellen? Welche Instanz in uns stellt die Frage, welche findet eine mögliche Antwort, welche entscheidet, dass die Antwort richtig ist, und vor allem welche Instanz in uns lässt auf die Erkenntnis neue Taten folgen? »Wer bin ich – und wenn ja, wie viele?« – ist der Bestseller-Buchtitel eines zeitgenössischen Philosophen. Für sich selber etwas bzw. sich selber erkennen zu können galt als hohes Ziel in der Kulturepoche, die als die Wiege der abendländischen Geisteswissenschaft erwähnt werden kann: Auf den griechischen Tempeln stand im Eingangsbereich der Imperativ: »Erkenne Dich selbst«. Damit war aber weniger eine Bespiegelung des eigenen Nabels gemeint als eine Aufforderung, sich als Teil des Kosmos bzw. in sich die Gesetzmäßigkeiten der Natur zu entdecken. Die Entdeckung des eigenen Ichs kann zwei Seiten haben, eine schmerzhafte und eine beglückende. Die schmerzhafte resultiert aus dem Erlebnis der »Vereinzelung«, des »Herausgefallen-Seins aus dem Kollektiv«. »Warum bin ich ganz tief im Innersten anders als jede bzw. jeder andere?«. Individualisierung bedeutet immer auch ein Stück weit Vereinsamung. Die radikalste Form erlebter Vereinsamung, die zum Menschwerden unweigerlich dazu gehört, ist in dem Ausruf zusammengefasst worden: »Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen?«. Auf das Erleben der Individualisierung, der Menschwerdung, auf das Gefühl der Vereinsamung kann das gegenteilige folgen, ein beglückendes Erlebnis, die Erlösung in Form einer Gemeinschaftsbildung. Eine Gemeinschaft wird nur durch Individuen, durch Differenzierung möglich! Uniformen bilden eine Masse, aber keine Gemeinschaft! Somit liegt die Kraft vieler Heilungsimpulse in einer ganzheitlich verstandenen Gemeinschaftsbildung,

 die die seelisch-geistige Dimension implementiert. Gemeinschaft kann darin bestehen, dass man in möglicherweise ausweglosen Situationen zunächst einmal einfach füreinander da ist (»on being present, not perfect «), dass man Menschen mit autistoidem Phänotyp nicht in ihrer »Sonderlichkeit« weiter isoliert, sondern wertschätzend integriert als «einzigartig anders – und ganz normal« («Uniquely Human«) oder dass man Heilmittel findet in Gemeinschaftsbildung mit den uns umgebenden Naturreichen im Sinne von Paracelsus »durch der Natur Examen«. Eine therapeutische Gemeinschaftsbildung bildet Raum für die eigene Wahrheit, für den Übergang vom Sein zum Werden. Wir freuen uns Sie zu einem Seminar begrüßen zu dürfen, bei dem die Referentinnen und Referenten zusammen mit dem Auditorium eine therapeutische Gemeinschaft bilden, die Kontinente übergreifend sein wird. Die Vorträge werden die interprofessionelle, integrative und damit anthroposophisch erweiterte Behandlung chronischer Erkrankungen in den Vordergrund stellen. Dabei wird es um chronische Erkrankungen des Magen- Darm-Trakts gehen (Dr. Martin-Günther Sterner), um solche in der Frauenheilkunde (Dr. Angela Kuck), um Autoimmun- und Tumorerkrankungen (Georg Soldner, Markus Sommer); die Vertiefung der therapeutischen Beziehung durch äußere Anwendungen (Dr. Astrid Sterner) wird genauso zur Aussprache kommen wie die durch Kunsttherapien (Anne Sommer-Solheim). Es werden therapeutische Ansätze der Anthroposophischen Medizin am Beispiel von Kasuistiken zum Thema Fieber und Karzinom vorgestellt (Dr. Sheila Grande), ein neuer Blick auf Menschen mit Autismus (Prof. Barry Prizant) wird neue Perspektiven ermöglichen und der Vortrag über die Bedeutung innerer Zuwendung zum und für den Patienten (Prof. Elaine Meyer) wird Mut machen können beim und für den Patienten da zu sein, auch wenn man sich selber nicht als perfekt erlebt. In interaktiven Arbeitsgruppen werden die aufgezählten Themen vertieft. Auch freuen wir uns sehr auf den künstlerischen Abend mit Musik von der Renaissance bis zur Moderne (Fatemeh Jacobi, Johannes und Christoph Egerer). Sollten Sie an dem Abend an der einen oder anderen Stelle animiert sein mitzusingen und dann auch noch Ihren Nachbarn auffordern mitzumachen, so lassen Sie sich nicht von Ihrem Vorhaben abbringen, wenn Sie Ihr Nachbar etwas schüchtern fragt: »Warum ich?«


Nicht nur in diesem Sinne heiße ich Sie im Namen des Vorbereitungskreises zum Medizinischen Seminar in Bad Boll herzlich willkommen.

 

 


Dr. Jan Vagedes

freitag, 22.06.2018

15.00 – 15.15

Georg Soldner
Einführung in das Tagungsthema
 
15.15 – 16.45

Dr. Martin-Günther Sterner
Chronische Erkrankungen des Magen-Darm-Trackts
Vortrag mit Aussprache

 

16.45 - 17.30

Pause

 

17.30 – 19.00

Dr. Astrid Sterner
Äußere Anwendungen in der anthroposophisch-medizinischen Praxis
Vortrag mit Aussprache

 

19.00 - 20.00

Abendpause


 
20.00 – 21.15

Dr. Angela Kuck
Chronische Erkrankungen in der Frauenheilkunde
Vortrag mit Aussprache

 

samstag, 23.06.2018

 08.00 – 08.45

Pirkko Ollilainen
Therapeutische Eurythmie zum Tagungsthema

09.00 - 11.00

Markus Sommer, Georg Soldner
Mineralische Heilmittel, Heilpflanzen (u.a. Mistel) und Organpräparate bei Autoimmun- und Tumorerkrankungen
Vortrag und Aussprache

10.45 – 11.30

Pause

11.30 – 13.00

Arbeitsgruppen

13.00 – 15.00

Mittagessen und Mittagspause

15.00 – 16.30

Arbeitsgruppen

16.30 – 17.15

Pause

17.15 – 18.15

Prof. Barry Prizant
"Einzigartig anders - und ganz normal" ("Uniquely Human"). Ein neuer Blick auf Menschen mit Autismus
Vortrag 

 

Anne Sommer-Solheim
Raum für die eigene Wahrheit - vom Sein zum Werden. - Fallbeispiel aus dem therapeutischen Plastizieren
Vortrag

 

19.00 – 20.00

Abendpause



 20.00 - 21.30

Künstlerischer Abend mit Johannes Egerer, Fatemeh Jacobi und Christoph Egerer
"von der Renaissance bis zur Moderne u.a. mit freien Improvisationen" Gemeinsames Singen unter dem Motto: Warum auch ich?

 

sonntag, 24.06.2018

08.00 – 08.45

Pirkko Ollilainen
Therapeutische Eurythmie zum Tagungsthema

09.00 – 10.15

Prof. Dr. Elaine Meyer
"On being present, not perfect" - die Bedeutung innerer Zuwendung zum und für den Patienten
Vortrag und Aussprache


10.15 – 11.00

Pause

11.00 – 12.15

Dr. Sheila Grande
Fieber und Karzinom - Therapeutische Ansätze der Anthroposophischen Medizin am Beispiel von Kasuistiken
Vortrag und Aussprache
 
12.15 – 12.30

Jan Vagedes
Schlusswort

 

arbeitsgruppen

a

Felicitas Glück
Eurythmie-Therapie zum Tagungsthema

 

b

Prof. Elaine Meyer, Dr. Jan Vagedes
Appreciative Inquiry - Wertschätzende Befragung beim Umgang mit PatientInnen und KollegInnen

c

Martin-Günther Sterner
Äußere Anwendungen bei akuten und chronischen Erkrankungen


d

Astrid Sterner
Sprechstunde: Autismus (Autism and Noncommunication Disorders)

 

E

Prof. Barry Prizant
Sprechstunde: Autismus (Autism and Noncommunication Disorders)

 

f

Dr. Christian Schopper
Psychotherapie bei chronischen Erkrankungen

 

G

Dr. Reiner Sollfrank
Heilpflanzenbetrachtungen im WALA-Heilpflanzen-Garten

 

H

Sheila Grande
Tropische Reiseerkrankungen

 

Dr.Jan Vagedes

Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin,
Filderstadt/Tübingen

 

Dr.  Jan Vagedes ist Vorstandsvorsitzender des Medizinischen Seminars Bad Boll, Leiter des ARCIM Institute an der Filderklinik und wissenschaftlicher Mitarbeiter der Universität Tübingen.  Er studierte Philosophie und Medizin in München und war bis 2012 Leitender Oberarzt für Pädiatrie und Neonatologie an der Filderklinik.

Dr.Jan Vagedes

Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin,
Filderstadt/Tübingen

Dr.Jan Vagedes

Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin,
Filderstadt/Tübingen

Georg Soldner

Kinderarzt, München

 

Georg Soldner, Arzt für Kinder- und Jugendmedizin  ist Leiter der Akademie Anthroposophische Medizin der Gesellschaft Anthroposophischer Ärzte in Deutschland sowie der Medizinischen Sektion in Dornach.
Schwerpunkt seiner Arbeit als niedergelassener Arzt sind Kinder mit chronischen Erkrankungen.

Georg Soldner

Kinderarzt, München

Georg Soldner

Kinderarzt, München

Markus Sommer

Arzt, München

 

Nach dem Medizinstudium klinische Tätigkeit in Innerer Medizin, Geriatrie und Neurologie. Seit 1988 kontinuierliche Mitarbeit am Med. Seminar Bad Boll. Seit 1994 Praxis mit Schwerpunkt neurologische Erkrankungen, Anthrop. Med. (GAÄD).  Stellvertr. Vorsitzender der Kommission C am Bundesamt f. Arzneimittel und Medizinprodukte. Vorstandsvorsitzender der Dr.-Hauschka-Stiftung. Zahlreiche Publikationen.

 

Markus Sommer

Arzt, München

Markus Sommer

Arzt, München

Dr. Reiner Sollfrank

Allgemeinarzt, Landshut

 

Nach dem Medizinstudium in München Assistenzarzt der Inneren Medizin im Klinikum Weiden. 1992 bis 2004 Niederlassung in eigener Kassenpraxis als allgemeinmedizinisch tätiger  Hausarzt, seit 2005 Privatpraxis in Landshut.

Seit 2009 ärztliche Tätigkeit in den Lebensgemeinschaften Höhenberg und Schwarzach. Mitbegründung und Schularzttätigkeit in der Freien Waldorfschule Bayreuth.

Dr. Reiner Sollfrank

Allgemeinarzt, Landshut

Dr. Reiner Sollfrank

Allgemeinarzt, Landshut

Dr. Christian Schopper

Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie, Zürich

 

 Dr. Christian Schopper ist   Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie mit ausgedehnter Praxistätigkeit in Zürich u.a. als leitender  Oberarzt in der Psychiatrischen Uniklinik Burghölzli und  der neurologischen Uniklinik in Zürich. Langjähriger ärztlicher Direktor der psychosomatischen Kliniken Sonneneck; Internationale Kurs- und Vortragstätigkeit.

Dr. Christian Schopper

Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie, Zürich

Dr. Christian Schopper

Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie, Zürich

Anne Sommer-Solheim

Kunsttherapeutin, München

 
Geboren in Oslo 1958. 1981-1987 Studium der Bildhauerei und Kunsttherapie an der Alanus Kunsthochschule, anschließende Lehrtätigkeit am Anthroposophischen Ärzteseminar (Kolisko-Akademie). 1993 - 2010 Kunsttherapeutin an der Klinik für Tumorbiologie und am Künstlerischen Therapeutikum, Freiburg. Seit 2010 eigene kunsttherapeutische Praxis, künstlerische Arbeit und Ausstellungstätigkeit in München. 

 

Anne Sommer-Solheim

Kunsttherapeutin, München

Anne Sommer-Solheim

Kunsttherapeutin, München

Pirkko Ollilainen

Heileurythmistin an der Filderklinik, Filderstadt

 

Pirkko Ollilainen, geboren in Finnland, Eurythmie- und Heileurythmie-Ausbildung in England und Deutschland.
Seit 1977 an der Filderklinik als Heileurythmistin tätig. Internationale Lehrtätigkeit in medizinischen Einrichtungen und Ausbildungsstätten.

 

Pirkko Ollilainen

Heileurythmistin an der Filderklinik, Filderstadt

Pirkko Ollilainen

Heileurythmistin an der Filderklinik, Filderstadt

Felicitas Glück

Heileurythmistin, Stuttgart

 

Eurythmiestudium am Eurythmeum Stuttgart, Heileurythmiestudium in Unterlengenhardt.

 

Seit 2009 tätig in Freier Praxis in Stuttgart, in der Dorfgemeinschaft Tennental und in Kindergarten und Schule in Freudenstadt. Unterrichtend tätig an der Fachschule für Heilerziehungspflege Tennental.

 

Felicitas Glück

Heileurythmistin, Stuttgart

Felicitas Glück

Heileurythmistin, Stuttgart

Medizinische Tagung !Teminänderung! Jetzt: 11.-13. Januar 2019 in Bad Boll/Eckwälden


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Anmeldung ab November 2018

 

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Anmeldung ab Juli 2018