Kraft schöpfen


Medizinische Tagung 10.-12. November 2017
in Bad Boll/Eckwälden

 

Liebe Freunde, Liebe Kollegen!

 

»Die waren schwach wie eine Flasche leer« – wohl kaum ein Zitat eines Fußballtrainers ist so berühmt geworden wie das des italienischen FC Bayern München-Trainers Giovanni Trapattoni. Seine Kritik bezog sich auf die Mannschaft mit der durchschnittlich höchsten Leistung, auf den Rekordmeister! Obwohl aus fußballerischer Sicht seine Kritik zu dem konkreten Spiel Berechtigung haben mag, kann die Frage aufkommen, ob sich nicht hinter einem permanenten Leistungsanspruch auch Problematisches verbirgt. Sind wir Menschen so geschaffen worden, dass wir ständig maximale Leistung erbringen sollen? Besteht unser Wert aus produzierter Leistung? Verdienen wir Zuwendungen und Anerkennung in erster Linie aufgrund unseres Outputs? Was, wenn wir gar nicht permanent maximale Leistung erbringen können, weil wir z. B. mal schlecht geschlafen haben, weil wir eine chronische Erkrankung haben, weil wir Schmerzen haben oder verborgenen Kummer, weil wir einer älteren Generation angehören, weil wir keine Kraftreserven mehr haben oder unsere Konstitution einfach nicht so vital ist wie es die moderne Arbeitswelt, der Wettbewerb, die Gesellschaft fordern? Schwach sein zu dürfen gehört zum echten Menschsein dazu! Ohne Phasen, in denen keine Leistung erbracht wird, wären wir gar nicht überlebensfähig, das gilt auf seelisch-geistiger genauso wie auf physischer Ebene: ohne Diastole gäbe es keine Systole, ohne Vergessen kein Wiedererinnern, ohne Ausatmung keine Einatmung, ohne Schlaf kein Tagesbewusstsein. Interessanterweise sind es gerade die Phasen ohne erkennbare Tätigkeit, z. B. die Nacht, in denen auf anderer Ebene Neues geschaffen wird, in denen wir regenerieren und neue Kräfte schöpfen. Wir können Kraft schöpfen!

In dem Wort »Schöpfen« verbergen sich zwei Begriffe: z. B. schöpfen wir Wasser aus einem Brunnen. Hier geht es darum, eine Teilmenge aus einer größeren Einheit zu entnehmen. Auf der anderen Seite können wir etwas schöpfen, also etwas Neues schaffen, kreativ sein. Im ersten Fall holen wir etwas hervor, das es schon gibt und das somit Vergangenheit in sich trägt. Im zweiten Fall wird etwas aus der Zukunft heraus geschaffen, etwas Neues befindet sich im Werden. Somit begegnen sich in dem doppeldeutigen Begriff »Schöpfen« Vergangenheit und Zukunft und ermöglichen den kraftvollsten Moment, den es überhaupt gibt, nämlich Gegenwart.

 

 

»The power of now« ist ein berühmtes Buch, das über die Kraft des Hier und Jetzt spricht und somit über die Fähigkeit der Achtsamkeit. Es verwundert einen nicht, dass wir in Zeiten zunehmender Erschöpfung auf die Notwendigkeit von Achtsamkeitsübungen hingewiesen werden, z. B. auf mindfulness based stress reduction (MBSR). Achtsamkeit ist ein Bereich, in dem wir Kraft schöpfen. Ermöglicht wird dieses letztlich durch die Kraft des Denkens, in dem wir die Doppelsignatur des »Schöpfens« wiederfinden: Auf der einen Seite holen wir Begriffe wie aus einem vorhandenen »Meer« an Begriffen hervor, auf der anderen Seite müssen wir die Begriffe dazu jedes Mal wie neu schaffen. Wir schöpfen im Denken!

Wie können wir achtsam werden für die notwendigen Phasen der Erholung, wie für das gesprochene Wort unserer Patienten, wie für die gut gemeinten Warnsignale unseres Körpers? Wie gelingt es uns nicht ständig nur in der Vergangenheit zu verharren oder in Wunschschlössern der Zukunft, sondern im Hier und Jetzt zu leben? Welches sind die Brunnen, aus denen wir schöpfen?

Wir freuen uns, Sie zu einem Seminar einzuladen, in dem es sowohl um solche Fragen gehen wird als auch um integrative Ansätze der Anthroposophischen Medizin, Kraft schöpfen zu können. Dabei wird es u. a. um »die andere Seite der Nacht gehen «, um die innere Freiheit des Alterns, Behandlung von Sehstörungen in der zweiten Lebenshälfte, Therapie der Energiequellen unserer Zellen, der Mitochondrien, um Behandlung des Morbus Parkinson, die Kraft künstlerischer Therapien (Plastizieren), um die regenerationsfördernde Kraft von Levico und Craniosakraler Osteopathie. Auch freuen wir uns auf ein breites Angebot an Arbeitsgruppen sowie besonders auf den künstlerischen Abend mit Dina Ugorskaja, einer international anerkannten Spitzenpianistin, und somit darauf, auch auf musikalisch-akustischer Ebene Kraft zu schöpfen. Am Sonntag endet dann die Tagung – hoffentlich mit dem Erleben wieder gefüllter Flaschen – pünktlich um 12:30 Uhr ganz im Sinne Trapattonis: »Ich habe fertig!«.

 

In diesem Sinne grüße ich Sie herzlich im Namen des Vorbereitungskreises und freue mich auf Ihr Kommen.

 

Dr. Jan Vagedes

freitag, 10.11.2017

15.00 – 15.15

Georg Soldner
Einführung in das Tagungsthema
 
15.15 – 16.30

Dr. Matthias Gierke
Die andere Seite der Nacht
Vortrag

 

16:30 – 16.45

Gemeinsame Aussprache

 

16.45 - 17.30

Pause

 

17.30 – 19.00

Markus Peters, Dr. Anton Leutz
Kraft schöpfen durch gezielte Therapie der Mitochondrien
Vortrag mit Aussprache

 

19.00 - 20.00

Abendpause


 
20.00 – 21.15

Prof. Dr. Ingrid Riedel
Die Innere Freiheit des Alterns
Vortrag mit Aussprache

 

samstag,11.11.2017

 08.00 – 08.45

Pirkko Ollilainen
Therapeutische Eurythmie zum Tagungsthema

09.00 – 10.00

Erika Hammer
Die Behandlung von Sehstörungenin der zweiten Lebenshälfte mit besonderer Berücksichtigung der Maculadegeneration
Vortrag

10.15 – 10.45

Gemeinsame Aussprache

 

10.45 – 11.30

Pause

11.30 – 13.00

Arbeitsgruppen

13.00 – 14.45

Mittagessen und Mittagspause

14.45 – 16.15

Arbeitsgruppen

16.15 – 17.00

Pause

17.00 – 17.45

Anne Sommer-Solheim
"Raum schaffen, damit sich Kraft entfalten kann" - Fallbeispiele aus dem therapeutischen Plastizieren
Vortrag 

 

17.45 – 18.30

Markus Sommer
Frühdiagnose und -therapie des Morbus Parkinson
Vortrag

 

18.30 – 19.00

Abendpause

 20.00 - 21.30

Künstlerischer Abend mit Dina Ugorskaja
Johann Sebastian Bach - wohltemperiertes Klavier, Ludwig van Beethoven - Sonaten (op.90 und op.110)

 

sonntag, 12.11.2017

08.00 – 08.45

Pirkko Ollilainen
Therapeutische Eurythmie zum Tagungsthema

09.00 – 10.15

Dr. Stefano Gasperi, Dr. Jan Vagedes
Leiter der Kinder- und Jugendpsychosomatik an der Filderklinik, Filderstadt
Levico und Arsenicum album
Vortrag mit Aussprache


10.15 – 11.00

Pause

11.00 – 12.15

Dr. Christian Schopper, Harald Falz
Craniosakrale Osteopathie und die Kraft des Lebens im Menschen: Falldarstellungen und Menschenkunde
Vortrag mit Aussprache
 
12.15 – 12.30

Jan Vagedes
Schlusswort

 

arbeitsgruppen

a

Pirkko Ollilainen
Eurythmie-Therapie zum Tagungsthema

 

b

Anita Kapfhammer
Farbe lässt die Seele wieder atmen - Therapeutisches Malen mit Pflanzenfarben

c

Catharina Deman-Metschies
Rhythmische Massage reguliert die rhythmische Tätigkeit im Menschen. Rhythmus trägt Leben


d

René Ebersbach
Kraft schöpfen durch innere Ruhe und Konzentration? Meditation in der anthroposophischen Medizin

 

E

Dr. Mario Zöllner
Sanft sei das Ruhekissen - äußere Anwendungen und andere Maßnahmen bei Schlafstörungen

 

 

f

Walter Kapfhammer, Reinhold Schön
Das Öldipersionsbad - Kraft durch Wärme

 

G

Dr. Christian Schopper, Frank Burdich
Übungen zum Lebendigen und zum Seelischen

 

H

Dr. Johannes Wilkens, Hubertus Magerstädt
Anthroposophische Arzneitherapie im Alter

 

Dr.Jan Vagedes

Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin,
Filderstadt/Tübingen

 

Dr.  Jan Vagedes ist Vorstandsvorsitzender des Medizinischen Seminars Bad Boll, Leiter des ARCIM Institute an der Filderklinik und wissenschaftlicher Mitarbeiter der Universität Tübingen.  Er studierte Philosophie und Medizin in München und war bis 2012 Leitender Oberarzt für Pädiatrie und Neonatologie an der Filderklinik.

Dr.Jan Vagedes

Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin,
Filderstadt/Tübingen

Dr.Jan Vagedes

Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin,
Filderstadt/Tübingen

Georg Soldner

Kinderarzt, München

 

Georg Soldner, Arzt für Kinder- und Jugendmedizin  ist Leiter der Akademie Anthroposophische Medizin der Gesellschaft Anthroposophischer Ärzte in Deutschland sowie der Medizinischen Sektion in Dornach.
Schwerpunkt seiner Arbeit als niedergelassener Arzt sind Kinder mit chronischen Erkrankungen.

Georg Soldner

Kinderarzt, München

Georg Soldner

Kinderarzt, München

Dr. med Matthias Girke

Arzt für Innere Medizin, Palliativmedizin, Diabetologie, Anthroposophische Medizin, Dornach/Berlin

Dr.med. Matthias Girke ist Leiter der Medizinischen Sektion der Freien Hochschule für Geisteswissenschaft am Goetheanum und als Arzt im Gemeinschaftskrankenhauses Havelhöhe-Klinik für Anthroposophische Medizin in Berlin tätig.

Dr. med Matthias Girke

Arzt für Innere Medizin, Palliativmedizin, Diabetologie, Anthroposophische Medizin, Dornach/Berlin

Dr. med Matthias Girke

Arzt für Innere Medizin, Palliativmedizin, Diabetologie, Anthroposophische Medizin, Dornach/Berlin

Markus Sommer

Arzt, München

 

Nach dem Medizinstudium klinische Tätigkeit in Innerer Medizin, Geriatrie und Neurologie. Seit 1988 kontinuierliche Mitarbeit am Med. Seminar Bad Boll. Seit 1994 Praxis mit Schwerpunkt neurologische Erkrankungen, Anthrop. Med. (GAÄD).  Stellvertr. Vorsitzender der Kommission C am Bundesamt f. Arzneimittel und Medizinprodukte. Vorstandsvorsitzender der Dr.-Hauschka-Stiftung. Zahlreiche Publikationen.

 

Markus Sommer

Arzt, München

Markus Sommer

Arzt, München

Dr. Reiner Sollfrank

Allgemeinarzt, Landshut

 

Nach dem Medizinstudium in München Assistenzarzt der Inneren Medizin im Klinikum Weiden. 1992 bis 2004 Niederlassung in eigener Kassenpraxis als allgemeinmedizinisch tätiger  Hausarzt, seit 2005 Privatpraxis in Landshut.

Seit 2009 ärztliche Tätigkeit in den Lebensgemeinschaften Höhenberg und Schwarzach. Mitbegründung und Schularzttätigkeit in der Freien Waldorfschule Bayreuth.

Dr. Reiner Sollfrank

Allgemeinarzt, Landshut

Dr. Reiner Sollfrank

Allgemeinarzt, Landshut

Dr.Christian Schopper

Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie, Zürich

 

 Dr. Christian Schopper ist   Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie mit ausgedehnter Praxistätigkeit in Zürich u.a. als leitender  Oberarzt in der Psychiatrischen Uniklinik Burghölzli und  der neurologischen Uniklinik in Zürich. Langjähriger ärztlicher Direktor der psychosomatischen Kliniken Sonneneck; Internationale Kurs- und Vortragstätigkeit.

Dr.Christian Schopper

Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie, Zürich

Dr.Christian Schopper

Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie, Zürich

Dr. Johannes Wilkens

Humboldt-Klinik, Bad Steben

 

 Mitglied der GAÄD, tätig in der Arzneimittelkommission für die Anthroposophische Therapierichtung. 

Der Schwerpunkt seiner Arbeit als niedergelassener Rheumatologe ist die Behandlung von Patienten mit chronisch entzündlichen Erkrankungen.

 

Dr. Johannes Wilkens

Humboldt-Klinik, Bad Steben

Dr. Johannes Wilkens

Humboldt-Klinik, Bad Steben

Anne Sommer-Solheim

Kunsttherapeutin, München

 
Geboren in Oslo 1958. 1981-1987 Studium der Bildhauerei und Kunsttherapie an der Alanus Kunsthochschule, anschließende Lehrtätigkeit am Anthroposophischen Ärzteseminar (Kolisko-Akademie). 1993 - 2010 Kunsttherapeutin an der Klinik für Tumorbiologie und am Künstlerischen Therapeutikum, Freiburg. Seit 2010 eigene kunsttherapeutische Praxis, künstlerische Arbeit und Ausstellungstätigkeit in München. 

 

Anne Sommer-Solheim

Kunsttherapeutin, München

Anne Sommer-Solheim

Kunsttherapeutin, München

Medizinische Tagung 19. - 21. Januar 2018 in Bad Boll/Eckwälden


Individuelle Pädiatrie (Titel folgt)

Anmeldung ab November 2017

 

Medizinische Tagung 22. - 24. Juni 2018 in Bad Boll/Eckwälden


Mittleres Lebensalter (Titel folgt)

Anmeldung ab Januar 2018